Christoph Blatter ist ein Grenzgänger. Betrachtet man seine sieben Schmuckkollektionen Vreneli, Cellula, Sinus, Quadra, Ashanti und Unda sowie die Kunst-Kollektion, würde man nicht auf einen einzelnen Designer und Kreateur schliessen. Der Goldschmied und Schmuckdesigner hat eine Formensprache entwickelt, die seine Stücke sofort erkennbar machen. Seine Kreationen umfassen Puristisches und Archaisches, Architektur und Ethnologie.

Vreneli nennt sich die neue Schmucklinie von Christoph Blatter. Sie basiert auf einem punktsymmetrischen floralen Grundmuster, das, in unterschiedliche Dimensionen skaliert, zu verschiedenen Schmuckstücken arrangiert werden kann. Zusammengesetzt wirken die entstehenden Flächen wie fein geklöppelte Spitze, ein Handwerk, das in vergangenen Jahrhunderten fest in der helvetischen Tradition verankert war. Vreneli ist ein typischer Schweizer Mädchenname, der sich im „Goldvreneli“ wiederfindet, der einzigen, noch in Gold geprägten Schweizer Münze. Blatter gedenkt mit dem Namen seiner verstorbenen Mutter.

Mit Cellula ergänzt Christoph Blatter seine bisherigen Kollektionen um einen völlig neuen Zweig. Die Leichtigkeit des durchbrochenen Edelmetalls erinnert an vergrösserte Bilder pflanzlicher Zellen. Durch ihre Transparenz entfalten die Miniaturskulpturen ihre Wirkung vollends, wenn sie am Körper getragen werden und die Haut durch ihre Öffnungen schimmert.

Um den Finger wickeln die Ringe Sinus niemanden. Sie legen sich vielmehr in Falten. Ein Loch durchdringt die zum Körper erstarrten Lamellen und macht die Kleinskulptur erst tragbar, welche nicht nur am Finger, sondern auch als Objekte attraktiv wirken. Der gleichmässige Faltenwurf verleiht jedem der verschiedenen Ringe gleichzeitig Leichtigkeit, Stabilität und Volumen.

Die Solitär-Ringe der Kollektion Quadra stellen das Äusserste an Reduktion dar, wenn es darum geht, das Feuer des Diamanten optimal zur Geltung zu bringen. Sämtliche Teile der Ringschiene und Fassung lassen sich auf ihren quadratischen Querschnitt zurückführen. Dennoch verleihen unterschiedliche Formen jedem Ring dieser Linie ein individuelles Gesicht.

Mit der Linie Ashanti überträgt Christoph Blatter die archaische Goldschmiedekunst des Königs der Ashanti von Ghana in die Neuzeit. Die immer wiederkehrende Figur der Spirale, Symbol der Zeit und des Lebens, ist Ornament und technisch bedingte Notwendigkeit. Sie entsteht durch die Art und Weise, wie die Gussform aufgebaut ist. Beim Giessvorgang geht die Gussform verloren. Somit ist jedes Schmuckstück ein Unikat.

Unda ist eine Ode an die Welle. Wie Stoff, der in einem Luftzug erstarrt ist, legen sich die dünnen Lamellen aus Edelmetallen in Wellen. Bei diesen dynamischen Schmuckstücken macht nicht das Metall das Volumen aus, sondern der Raum und die Luft dazwischen. Die geometrischen Grundformen werden durch das Aneinanderreihen, Rotieren und Verschieben der Elemente aufgelöst. Es entstehen dreidimensionale, luftige Körper.

Text von Timm Delfs


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